Windelfrei -

Nichts als Luft an Babys Popo



Klingt erstmal komisch und unvorstellbar – ein Baby ohne Windeln!? Das ist doch nicht normal, oder doch? Doch genau das ist es! Wenn man bedenkt, dass nur etwa 20% aller kleinen Erdenbewohner Windeln kennen und der Rest gar nicht erst damit in Berührung kommt, dann ist die Frage was normal ist wohl beantwortet.

Meist nur in den westlichen Industrienationen werden Babys seit den 70er Jahren mit Wegwerfwindeln trocken gelegt. Vorher waren Stoffwindeln, die aufwendig abgekocht und gewaschen werden mussten üblich. Und auf den ersten Blick gibt es ja auch keine andere Lösung und zugegeben, die Wegwerfwindel und überhaupt Windeln sind wesentlich stressfreier zumindest für die Eltern und natürlich auch sehr praktisch und bequem.

Auf dem zweiten Blick gehen mit den Windeln aber auch viele Nachteile einher. So entsteht ein wunder Po (die sogenannte Windeldermatitis) hauptsächlich durch das feucht- warme Klima in dem Gummihöschen. Aber auch unter ökologischen Gesichtspunkten sind die Wegwerfwindeln ein gigantisches Problem, über 8 Millionen davon landen täglich in der Restmülltonne. Jede einzelne von ihnen braucht etwa 400 Jahre zum Verrotten.Und bei der Vorstellung ständig in seinen eigenen Ausscheidungen zu liegen, wird dem Einen oder Anderen sicherlich auch unbehaglich. Wirklich keine schöne Vorstellung und trotzdem muten wir es unseren Kindern jeden Tag zu aus welchen Gründen auch immer.

Aber wie soll das funktionieren –windelfrei- denn schließlich kann mir mein Baby ja nicht sagen, wann es mal aufs Töpfchen muss, oder? Nicht ganz aber auch Babys kommunizieren mit uns und wenn wir so früh wie möglich anfangen diese Bedürfnisse zu erkennen und auf sie einzugehen, dann unterstützen wir damit einen bedürfnisorientierten Umgang.

Im Folgenden werden die positiven Aspekte einer windelfreien Erziehung dargestellt und für diejenigen, die es gleich einmal ausprobieren möchten ein paar hilfreiche Tipps und die richtige Herangehensweise.

 

6 gute Gründe warum wir auf Windeln verzichten sollten!

 

1. Zur Stärkung der Bindung und Kommunikation zum Baby

Jeder Mensch sehnt sich danach wahrgenommen zu werden, das ist auch bei ganz kleinen Babys nicht anders. Es möchte in Kommunikation mit Mama und Papa treten und vor allem möchte es auch eine Antwort. Diese Antwort können wir nur geben, wenn wir versuchen zu verstehen, was unser Baby uns sagen möchte und zwar nicht nur beim Thema Windelfrei, sondern generell. Ständig miteinander in Kontakt zu stehen und miteinander zu kommunizieren, lässt bei Babys Selbstsicherheit und auch Kommunikationsfreude steigern.

 

2. Tut gut auf der Haut…

Allein die Vorstellung tagtäglich in seinen eigenen Exkrementen zu sein, ist für viele erschreckend. Dennoch ist es Gang und Gebe dies unseren Kindern zuzumuten. Selbst die meisten Tiere achten darauf, ihr Nachkommen möglichst von ihren Ausscheidungen fern zu halten. Nur wir Menschen nehmen es in Kauf in der Hoffnung, es wird schon nicht so schlimm sein. Tausende wunde Popos (Windeldermatitis) sind die Folge, diese schmerzen und jucken und dennoch verzichten wir nicht einmal dann auf unsere geliebten Windeln. Ohne Windeln ist krabbeln auch viel schöner, wesentlich mehr Bewegungsfreiheit und keine störenden Höschen.

 

3. Gesundheitliche Aspekte

Nicht nur der Wohlfühlfaktor sondern auch gesundheitliche Aspekte sprechen für ein windelfreies Aufziehen unserer Kinder. Wie bereits erwähnt würde ein windelfreies Dasein für wesentlich weniger wunde Popos (Windeldermatitis) sorgen, auch Windelsoor hätte so weniger Möglichkeiten sich auszubreiten. Windelfrei führt erwiesenermaßen zu einem regelmäßigerem Stuhlgang und weniger Koliken. Auch Nabelbrüche heilen ohne Windel in der Regel schneller ab. Da der Kontakt mit Stuhl an der Harnröhre weitestgehend vermieden wird, kommt es weniger zu Harnwegsinfekten als Babys die herkömmlich gewickelt werden.

 

4. Babys werden früher trocken

Jedes Baby ist nicht wie das andere, dennoch lässt sich ziemlich eindeutig beobachten, dass windelfrei erzogene Babys in der Regel schneller trocken sind als jene, die mit Pampers & CO. aufwachsen. Sie haben gelernt, dass auf ihre Signale eingegangen wird und nicht wie bei „Windelbabys“ einfach darüber hinweg gesehen wird.

 

5. Umweltschutz

Durchschnittlich 6000 Windeln sind nötig bis ein Kind trocken ist. Eine dramatische Zahl bedenkt man dabei, dass jede einzelne dieser Windeln etwa 400 Jahre benötigt um zu verrotten. Kaum vorstellbar, welche Masse an Müll jeden Tag durch Windeln dazu kommt und welche ungeheure Umweltbelastung damit einhergeht.

 

6. Finanzieller Aspekt

Eine genaue Kostenaufstellung für den Windelverbrauch pro Baby it ziemlich schwer darzustellen. Geht man von den Berechnungen aus dem Beitrag „ Stoffwindeln- oder doch lieber praktisch“ aus, so kostet eine komplette Windelperiode pro Baby etwa 1.500€. Auch mit Stoffwindeln liegt man etwa noch bei 800€. Da lohnt es sich doch wirklich darüber nach zu denken die Windelhöschen einfach weg zu lassen.

 

Wie funktioniert das Ganze?

Der erste Schritt ist natürlich einfach erstmal die Windel weg zu lassen und das so früh wie möglich, solange die Babys noch nicht „verlernt“ haben uns Signale zu senden, die wir bis dahin nicht wahrgenommen haben. Immer wenn das Baby mal „muss“ wird es dann in bestimmten Abhaltepositionen gehalten, um seine Notdurft zu verrichten.

Eine klassische Art und Weise ist hierbei das Kind mit beiden Händen unter dessen Oberschenkelfestzuhalten, dass es mit seinem Rücken am eigenen Oberkörper Halt bekommt. Das Baby kann sich in dieser Hockposition sehr gut entleeren.

Folgende Situationen helfen Ihnen den richtigen Zeitpunkt dafür zu finden:

• Durch einen Reflex muss jeder Mensch, also auch jedes Baby, nach dem Aufwachen die Blase entleeren. Da kleine Babys relativ viel schlafen, ist die Chance einen guten Zeitpunkt zu wählen schon einmal recht hoch.

• Auch nach dem Trinken füllt sich die Blase und bei Babys, deren Blase wesentlich kleiner ist, noch viel schneller, sodass nach jedem Stillen oder Fläschchen geben der richtige Zeitpunkt zum Abhalten gekommen ist.

• Solange Menschen sich auf eine Sache konzentrieren, wird der Druck auf die Blase nur schwer wahrgenommen. Nimmt die Fokussierung ab, ist häufig der Gang zur Toilette die Folge. Auch bei Babys erzielt man eine hohe Trefferquote nach dem Spielen.

 

Allein mit diesen Hinweisen würde einiges an kleinen „Unfällen“ vermieden werden können. Daneben helfen uns die Kleinen aber auch noch mit unterschiedlichen Signalen. Eltern lernen Signale der Kleinen relativ schnell zu deuten, so können sie oft ziemlich genau sagen, wann ihr Baby Hunger hat oder müde ist, genauso „einfach“ ist es auch zu deuten, wann es mal „muss“ mit ein wenig Übung.

Anfangs bis etwa in den 4. Lebensmonat zeigt uns das Baby durch Weinen, Schreien, Bauchweh oder Schlafstörungen… dass es nicht mit Urin oder Stuhlgang in Kontakt kommen möchte. Nach dieser Zeit verliert es allmählich das Körpergefühl für seine Ausscheidungen und die Signale schwinden allmählich, da es gelernt hat, dass sowieso niemand darauf reagiert.

Weitere Signale für das Bedürfnis sich zu entleeren können auch sein:

• Bestimmte Laute, Quengeln oder Strampeln

• Wechselndes An –und Abdocken beim Stillen oder Füttern

• Ein starrer Blick in die Ferne

• Das Baby versucht sich aus der getragenen Position zu befreien

• Das Baby kommt und möchte hoch genommen werden

• Atemfrequenz ändert sich

• Unruhiger Schlaf, nicht in den Schlaf kommen

 

Beachten Sie: Nicht jedes Kind ist gleich, beobachten Sie es und Sie werden sicher feststellen, woran Sie den richtigen Zeitpunkt bemerken können.

Hat man die erste Hürde geschafft und einige Zeit das Baby windelfrei erzogen, stellt sich in der Regel bei den Eltern ein Bauchgefühl ein und sie spüren intuitiv, wann der richtige Zeitpunkt für einen Toilettenbesuch gekommen ist.



Das kann man doch schaffen, oder?

Selbst wenn mal was daneben geht, ist das kein Weltuntergang. Ganz ohne kleine Unfälle geht es wohl nicht, dafür haben Sie am Ende aber ganz viel gewonnen! Selbst wenn Sie teilweise auf Windeln verzichten, haben Sie schon viel erreicht. Sollten Sie sich mit einer Windel wohler fühlen, betrachten Sie sie als Unterwäsche, die im Notfall etwas aufsaugt. Allein diese Sichtweise wird Ihnen helfen einen guten Umgang mit der Thematik zu finden.

Also, viel Spaß beim Ausprobieren!!!



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